Seiten

Lilly Lindner, aus "Bevor ich falle", S.176

"Da war ich für die Dauer eines Augenblicks wortstill.
Denn schöne Sätze haben einen Ausklang verdient.
Ohne Unterbrechung."

Das Mädchen und das Sofa

 14.11.2014
Dieser Blog begann wegen und mit Kurzgeschichten. Ganz einfach. Damit hat alles angefangen.
Es gab immer mal wieder was kleines zu lesen, doch irgendwann schlief diese Aktivität aus unerfindlichen Gründen ein.
Doch jetzt heißt es: "Zurück zu den Wurzeln"

Heute gibt es eine ganz kleine, ein bisschen skurrile Kurzgeschichte über ein Mädchen und ein Sofa, die irgendwann irgendwie eine emotionale Bindung zu einander aufgebaut haben.
_______________________________________________________________
 
Ich stehe da und starre es nachdenklich an. Vielleicht etwas betrübt. Aber ebenso verstanden.
Die Uhr über der Tür tickt monoton vor sich hin. Sie hat die Form von zwei Augen, bei jedem Tick bewegen sich die Pupillen.
Meine Aufmerksamkeit – sprunghaft wie eh und je – wendet sich der Zimmerpflanze links neben dem Sofa zu. Sie steht traurig und verkümmert da. Die Gießkanne in Form eines Elefanten befindet sich daneben, die Wasseroberfläche mit Erde und Blättern verschmutzt.
Ich schüttele leicht den Kopf um meine Gedanken zu ordnen.
Dann sehe ich erneut das Sofa an, der bunt gestreifte Bezug an den Stellen, wo sonst mein Po und meine Füße liegen leicht abgenutzt.
Ich lege den Kopf schief und zähle die Streifen, Farbe für Farbe.
Meine Gedanken schweifen ab, in eine mir bereits bekannte Richtung.
Einen Moment später erkläre ich mich selbst für verrückt, weil ich dem Sofa Gefühle zuschreibe.
Heute sehen die Farben trüb aus, als wären sie von einer Schicht Staub bedeckt.
Die Lampe leuchtet in einem warmen Gelb, aber das Sofa weigert sich zu leuchten wie sonst.
Ich seufze und lasse mich auf die Polster fallen, die Sprungfedern federn mein Gewicht und einen Moment muss ich lächeln und das Gefühl genießen.
Dann ist es vorbei und ich sinke wieder in den Trübsinn meiner Gedanken.
Ein Schlüssel wird ins Schloss geschoben, die Tür geht mit einem Quietschen auf und mein Vater kommt herein. Seine Augen leuchten. Mit ihm kommt ein Schwall kalter Luft herein, bis die Tür wieder ins Schloss fällt.
„Wie war das Date?“, frage ich mit nun wieder geschlossenen Augen und lausche dem Rascheln, als er seine Handschuhe, Mantel, Mütze und Schal ablegt und an die hölzerne Garderobe hängt.
Mit einem Ächzen lässt er sich in den ledernen Sessel sinken.
„Es war ein durchaus anregender Abend“, erwidert er.
Abwesend streiche ich mit der Hand über den rauen Stoff des Couchbezugs.
„'Durchaus anregend' lässt viel Spielraum für Interpretation“, sage ich trocken.
„Er war nett, aber eigentlich nicht mein Typ. Hat die ganze Zeit über seinen anstrengenden Job und seine geschiedene Ehe geredet, als wäre er der perfekte Stoff für ein langweiliges Buch.“
„Hmm“, sage ich nachdenklich. „Also 'Nein'?“
„Absolut nein!“ Er lacht leise. „Und wie war dein Abend so? Mir scheint, als wären das Sofa und du in einer weniger positiven Stimmungslage.“
„Scharf kombiniert!“, sage ich stolz und zeige mit dem Daumen nach oben. Es gab Zeiten, da hatte er seine Schwierigkeiten damit gehabt, die Gemütslage des Sofas zu deuten. Ich hege allerdings die Vermutung, dass er diese Fertigkeit noch immer nicht beherrscht und sich stattdessen einfach an mir orientiert.
„Weißt du, was auch immer passiert ist, es geht vorbei.“
„Ich liebe deine hoch philosophischen Ratschläge“, sage ich sarkastisch. „Die bringen mich immer dazu alles zu hinterfragen und ganz wichtige Antworten zu finden.“
„Du weißt, wie unfähig ich in diesem Bereich bin. Mein Kopf ist eigentlich immer so voll von nützlichen Worten aber aus meinem Mund quillt nur Luft mit einzelnen... Fetzen von... irgendwas.“
„Es ist schon wieder zu Ende“, sage ich betrübt in die darauf folgende Stille.
Ich höre, wie das Leder quietscht, als er sich vorbeugt.
„Du ließt es immer wieder, und immer wieder lässt es dich so zurück. Betrübt und sofabedürftig.“
„Gucken wir einen Liebesfilm mit ganz vielen Klischees und voll von Kitsch?“
Ich hebe leicht den Kopf und lächle ihn mit Hundeblick an.
„Ich frage mich, ob das nur deine Masche ist, oder ob es tatsächlich eine hilfreiche Medizin gegen Nachdenklichkeit ist“, sagt er und steht auf um die DVD zu holen.


That's it for today.
Alles liebe und eine geruhsame Nacht euch
Eure<3

Kommentare:

  1. Hallöchen :)
    Sorry für das Off Topic, aber ich wollte dich nur kurz darauf Aufmerksam machen das ich nächstes Wochenende eine Lesenacht veranstalte, und fragen wollte, ob du mitmachen willst. Es würde mich wirklich sehr freuen wenn du dabei wärst :) ♥
    Fantasy-Lesenacht die Achte - Lesen bis Aliens auf der Erde landen

    AntwortenLöschen
  2. Hey Rubin :)

    Ich bin gerade über einen anderen Blog hier bei dir gelandet. Deine Kurzgeschichten gefallen mir richtig gut. Ich bin gerade dabei, mich hier durch zu lesen :D

    Vielleicht magst du ja auch mal bei mir vorbei schauen? Ich schreibe auch Kurzgeschichten.

    Auf jeden Fall hast du soeben eine Leserin mehr gewonnen :-)

    Liebe Grüße,
    Sabi

    sabi-writing-whatever.blogspot.com

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Sabi!

      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Zuspruch ist immer etwas wundervolles:)
      Bin nachher mal bei dir unterwegs;)

      Liebe Grüße
      Rubin

      Löschen

*tralala* ich freu mich über Jeden Kommentar, denn sie erhalten die Freude am bloggen. Ich antworte unter euren Kommentaren, oder auf eurem Blog :)