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Lilly Lindner, aus "Bevor ich falle", S.176

"Da war ich für die Dauer eines Augenblicks wortstill.
Denn schöne Sätze haben einen Ausklang verdient.
Ohne Unterbrechung."

/Diskussionsrunde/ Von E-mails, Kurznachrichten und handgeschriebenen Briefen

10.11.2014
Es wird alles immer einfacher, simpler, unpersönlicher.
Wird alles immer einfacher, simpler, unpersönlicher?
Und damit Guten Abend Welt. Oder - um realistisch zu bleiben - meine liebe Leserschaft.

Wie und Warum ich auf den Gedanken gekommen bin weiß ich nicht mehr.
Aber ich weiß, dass ich anstatt zum Telefon zu greifen mal eben schnell eine Nachricht per Whats App schreibe. Dass ich, anstatt einen Brief aufzusetzen schnell eine E-Mail tippe und so neben Krämpfen in der Hand auch die lange Zeit umgehe, die ein Brief braucht um anzukommen.
Und ebenso bin ich mir ziemlich sicher - durch ausgiebiges Beobachten -, dass nicht nur ich mich so verhalte.
Und jetzt stellt sich die Frage - Woran liegt das?
Sind wir zu faul geworden? Zu ungeduldig und gestresst? Wollen wir so längere Unterhaltungen am Telefon umgehen, bei denen man von Höcksken auf Stöcksken kommt und stundenlang nicht mehr vom Telefon wegkommt? Oder denken wir schlicht und einfach nicht mal mehr an die "altmodischen" Varianten, weil die ganzen technischen Möglichkeiten so alltäglich und einfach geworden sind?
Ich vermute es ist alles zusammen. Und das kann ich aus Selbstobservation heraus behaupten.
Kurz gesagt, es ist viel einfacher mal eben schnell eine Nachricht zu tippen (zumal das mit Smartphones nach kurzer Übung echt zackig geht) - man tippt, schickt ab, die Nachricht wird gesendet, die andere Person liest sie und antwortet ebenso schnell.
Ja - eigentlich ist das Ganze viel unkomplizierter!
Es sei denn - richtig, jetzt kommt das große "Es sei denn" - es sei denn ein Konflikt bahnt sich an. Denn Streit via social media ist der absolute Horror und mit das Schlimmste, was bei diesen Medien geschehen kann. Da kann wirklich lange Funkstille entstehen, tatsächlich werden Freundschaften dabei auf die Probe gestellt - so lächerlich das auch klingen mag.
Das Problem nämlich ist, dass man eben keine Gefühle übermitteln kann, keine Stimmlagen, keine wirklichen Intentionen. Der Konversationspartner erhält einfach die Nachricht und kann interpretieren, wie er lustig ist.
Das gleiche Problem ist auch, wenn Leute meinen per SMS oder Whats app Schluss machen zu müssen.
Und was ist nun das Problem? - Unpersönlichkeit!
Aber jetzt mal Hand auf's Herz: Wer freut sich denn bitte nicht, wenn er oder sie einen wirklich handgeschriebenen Brief bekommt?
Es ist etwas ganz anderes ein Blatt Papier in Händen zu halten, das man knicken und wenden kann, wie man will. Einfach das Gefühl der leicht rauen Oberfläche und die Ansicht der Handschrift sind es doch schon wert. (Und ebenso ist es doch mit gedruckten Büchern!!)
Hinter einem Brief stecken meist Gedanken, Überlegungen welche Formulierung, welche Worte und welche Themen am besten passen. Der Absender gibt sich Mühe etwas mit diesem Brief mitzugeben und, dass es genauso ankommt.
Ob nun ein Liebesbrief, der das Herz höher schlagen lässt, oder ein Überraschungsbrief in Freundschaften - die Freude ist groß.

Doch das, was den handgeschriebenen Brief verdrängt und die unkomplizierten Kurznachrichten vorrücken lässt, ist ganz simpel gesagt die viel zu schnell vergehende Zeit, von der viel zu wenig vorhanden ist.

Aber, aber, aber; der altmodische Brief ist zum Glück noch nicht ausgestorben!
Am Donnerstag zum Beispiel habe ich mir die Zeit einfach genommen und einen vierseitigen Brief zum Geburtstag an meine allerbeste Freundin geschrieben.
Genauso habe ich es gemacht, während ich in Frankreich war - ich habe an jeden Verwandten und jede Freundin die Geburtstag hatte einen Brief per Hand geschrieben.
Und ja, es ist zeitaufwendig, aber ich wusste und weiß, dass sie sich alle darüber gefreut haben.
Ich liebe handgeschriebene Briefe!

Es muss nicht immer und nicht oft sein, die Briefe müssen auch nicht ellenlang sein, aber mit Telefonaten und Briefen macht man Anderen eine Freude - und auch sich selbst! Denn, Telefonate entwickeln sich oft positiv und nach einem geschriebenen Brief kann man stolz auf das sein, was man hat einfließen lassen und natürlich, dass man so weit gekommen ist.
Es ist einfach ein ganz anderes (Lebens)Gefühl und erfordert andere Konzentration.

Aber was bei all dem Wechsel gleich geblieben ist, ist das "Wort", ob nun gesprochen, per Hand oder per Technik geschrieben. Und das wird sich wohl auch so schnell nicht ändern, worüber sich nicht nur die Lesewürmer freuen dürften.

Was sagt ihr dazu? Schreibt ihr überhaupt noch Briefe?

Alles Liebe
Eure<3 

Kommentare:

  1. Hallo Josi,
    Ich stimme dir voll und ganz zu: Briefe zu schreiben, aber natürlich auch sie zu bekommen, ist viel schöner als die digitale Kommunikation. Ich habe selbst vor einiger Zeit einen recht langen Text dazu geschrieben, den ich am besten einfach mal verlinke, bevor ich hier lange Worte verlieren ;-)
    http://klingenfaenger.blogspot.de/2013/10/multae-sunt-causae-scribendi.html

    Achja: Böse Post, ab Januar darf ich schon 3 (!) Briefmarken auf den Brief kleben, damit er ausreichend frankiert ist, das artet langsam echt aus!

    Liebe Grüße,
    Patrick

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    1. Guten Abend Patrick!
      Ich werde mir deinen Post sobald ich die Zeit habe natürlich durchlesen, bisher habe ich es einfach noch nicht geschafft:/

      Das ist natürlich auch nochmal ein zu beleuchtender Aspekt: Briefe kosten mehr.

      Liebe Grüße
      Josi:)

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  2. Ich hab zuletzt zu Weihnachten einen Brief von meiner besten Freundin bekommen, aber ansonsten nie etwas. Dabei freue ich mich über sowas total und würde gerne selber welche schreiben. Bei meiner Schrift wäre es jedoch grauenvoll, das lesen zu müssen. xD
    Aber zumindest Postkarten schreibe ich noch, wenn ich im Urlaub bin. ;)

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    1. Da sieht man es - auch wenn sie selten sind, sie sind etwas Besonderes und bescheren Freude!
      Egal, einfach schreiben, die andere Person wird sich mit Sicherheit trotzdem freuen ;)
      Ich glaube, dass Postkarten sich auch nicht so schnell ersetzen lassen:)

      Liebe Grüße
      Rubin:)

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  3. Ist ein sehr schöner Text, Josi (:

    Ich liebe es auch, Briefe zu bekommen.
    Allerdings schreibe und bekomme ich nur selten welche.
    Die letzten Briefe, die ich in der Hand hielt, also entweder verschickt oder bekommen habe, waren Liebesbriefe.
    Und das ist echt eine wunderschöne Art der Kommunikation.

    Wäre dafür, dass wir uns einfach alle gegenseitig Briefe schreiben (:

    Liebe Grüße,
    Vanilla

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    1. Vielen Dank Vanilla:)

      Ich habe noch nie einen Liebesbrief bekommen, aber ich kann mir vorstellen, was das für ein schönes Gefühl sein muss...

      Deine Idee ist hervorragend, schade, dass da vermutlich sonst kaum jemand mit machen möchte...

      Liebe Grüße
      Josi:)

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